Reisebericht Italien Juli 2018

Beeindruckendes Norditalien – ein Sommerurlaub zwischen Bergen und Meer

Nach 2250 Minuten Italienisch-Sprachkurs an der Volkshochschule Berlin und nach 64.320 Minuten getaner Arbeit (für Carlo wohl >120.000 Minuten), hieß es für uns: Si va in Italia. Ab in den wohlverdienten Urlaub nach Italien.
Mit unserem Auto ging es für 2 Tage an den Comer See, für 4 Tage an die Strände Liguriens und für 6 Tage ins ursprüngliche Piemont.
Im Gepäck: jede Menge Erholungsbedarf und unserer Fahrräder.

Comer See: Der schönste See Europas

Nach 1.100 km und 13 Stunden später haben wir unseren ersten Ferienort, Limonta am Comer See, erreicht. Limonta ist die erste Ortschaft, die man auf der kurvenreichen Straße vom Bellagio nach Lecco erreicht. Die hervorragende sonnige Lage sowie das milde Klima begünstigen hier besonders den Anbau von Oliven und Weinreben. Es ist ein herrlicher und vor allem wenig touristischer Ort. Übernachtet haben wir in einem gerade erst neu eröffneten Airbnb namens B&B L’Haciendita, ganz in der Nähe der bekannten „Santi Bernado e Ambrogio“, eine aus dem Mittelalter stammende Kirche.

Unsere erste Radtour hat uns in den malerischen Ferienort Bellagio geführt. Der Reiz an Bellagio liegt vor allem in seinem Panorama: Man hat einen wunderschönen Blick auf die Alpen an der Spitze der Halbinsel, die die zwei südlichen Arme des Sees (Como und Lecco) trennt. Die verwinkelten Gassen der Altstadt mit ihren gemütlichen Cafés sind zwar bildhübsch, jedoch leider auch sehr touristisch. Nach einem kurzen Spaziergang sind wir den Menschenmassen durch einen Besuch der Giardini di Villa Melzi entkommen. Die beeindruckende Gartenanlage mit der neuklassizistischen Villa liegt am Eingang von Bellagio und war weit weniger besucht als die Altstadt mit seiner Uferpromenade. Der Anblick der vielen Zypressen, Azaleen, Rosen, Kamelien und Rhododendren, hat unsere Herzen – als Liebhaber der Hortikultur – höherschlagen lassen.
Einen noch viel höheren Puls bescherte uns die Fahrrad-Etappe von Bellagio nach Madonna del Ghisallo des Giro d’Italia, welches als das zweitwichtigste Etappenrennen im Straßenradsport – nach der Tour de France und vor der Vuelta a España – gilt. Zwar betrug unsere Strecke nur ca. 11 km, aber der stetige Anstieg auf 744m war sehr herausfordernd. Ghisallo ist einer der bekanntesten Orte für Radsport-Anhänger in aller Welt. Tausende Sportler kommen hier jedes Jahr herauf, um die Gedächtniskirche der Madonna del Ghisallo zu besichtigen. Im Innern der Kirche sind die Räder, Trikots und Andenken der Helden ausgestellt, die diesen Sport berühmt gemacht haben. Auch uns hat der Besuch nicht kaltgelassen. Seit 2006 gibt es auch ein Fahrradmuseum, das Madonna del Ghisallo, in welchem man eine einmalige Fahrradsammlung und zahlreiche beeindruckende Sammlungsstücke aus der Welt des Radsports findet.

Ligurien: Die wichtigste Ressource ist das Meer

Vom Comer See ging es weiter nach Santa Margherita Ligure, einer kleinen aber feinen Hafenstadt östlich von Genua. Hier kann man nicht nur entspannt am Strand liegen oder durch ein paar Läden bummeln, sondern auch gut essen und trinken. Ein Ausflug in das nicht weit entfernte 500-Seelen-Dorf Portofino ist ein Muss: Mit seinen Boutiquen, Luxusyachten und Nobelhotels gilt Portofino als das teuerste Fischerdorf der Welt. Portofino hat alles, was einen Tummelplatz für Reiche und Schöne ausmacht und hat uns damit wirklich sehr beeindruckt.

Nachdem es uns letztes Jahr so gut in Borgio Verezzi gefallen hat, sind wir auch dieses Jahr wieder bei Valentina in ihrem so liebevoll gestalteten Bed & Breakfast a Carubba du Bungiurnu eingekehrt. Und erneut haben wir uns in diesen Ort verliebt: Für mich ist Strand und Meer Erholung pur, für Carlo guter Wein und Trofie al Pesto. Neben Faulenzen am Strand haben wir Radausflüge nach Varigotti, Finale Ligure und Pietra Ligure unternommen. Ein besonderes Highlight war eine zusätzliche Übernachtung in Stefanias Blu Oltremare im Ortsteil Verezzi. Die Unterkunft wurde perfekt in die jahrhundertealten Gemäuer des Ortes integriert und bietet eine atemberaubende Sicht auf Borgio, Pietra Ligure und Loano. Der Ausbau des Gebäudes ist sehr gelungen und man findet in der näheren Umgebung tolle Restaurants und Bars.

Piemont: Ein Paradies für Genießer

Nach einer abwechslungsreichen ersten Urlaubswoche ging es endlich ans Casa al Tanaro.
Im Gegensatz zum letzten Jahr waren wir diesmal hoch erfreut über die grüne, saftige Rasenfläche sowie die bunten Pflanzen. Während ich meine Finger mit Unkraut jäten strapazierte, hat Carlo auch dieses Jahr seiner zweiten Berufung des Garten- und Landschaftspflegers aller Ehre getan: Es wurde gemäht, geschnitten, gepflanzt, gegossen, gesägt, gedüngt, gegraben, gewässert, gemessen und so weiter und so fort.
Es vergingen gemütliche, sonnige Tage am Casa. Nach getaner Arbeit am Haus und Umgebung, haben wir uns nachmittags mit verschiedenen Aktivitäten belohnt:

So haben wir zum Beispiel mit dem Fahrrad eine schöne, panoramahafte Rundfahrt von Castellino Tanaro über Marsaglia nach Murazzano und zurück über Igliano gemacht. 700m Höhenunterschied bei 35 Grad Celsius haben die insgesamt 32 km lange Rundfahrt (Serpentinen hoch, runter, hoch,…) sehr anstrengend werden lassen. In Schweiß gebadet, haben wir die vielen und sehr viel schnelleren Motorradfahrer auf dieser Strecke beneidet.

Einen Besuch wert ist auch immer wieder das nicht weit entfernte, kleine aber mir sehr liebgewonnene Mondovì. Nicht immer kommt die Liebe auf den ersten Blick. Manchmal verwandelt sich auch eine Freundschaft in Liebe. So ist das mit mir und Mondovi geschehen. Zuerst war die Beziehung eher geschäftlicher/ essentieller Natur: Hier wurden Nahrungsmittel, Gartengeräte und Putzmittel gekauft. Doch mit der Zeit kamen wir uns immer näher, und heute ist jeder Besuch in Mondovi ein kleines Stück Glück. Sie trotzt bisher erfolgreich der globalen Gleichmacherei. Hier findet man noch kleine, individuelle Geschäfte, in denen man Badekleider, Socken, Briefpapier, Fleisch oder Kuchen kaufen kann. Alles ist sehr persönlich und mit einer Bedienung, die an frühere Zeiten erinnert. Wir verbringen Stunden auf der Piazza San Pietro bei Negroni und Mojito und stellen immer wieder fest: Die Italiener wissen einfach wie es sich gut lebt – sie legen viel Wert auf ihre Freizeit, ihre Familie, Freunde, Nachbarn und gutes Essen.

Auch unsere Wanderschuhe wollten wir nicht unberührt lassen: So ging es in die berühmtesten Weinberge des Piemonts nach Barolo, ein Ausflug, der sich nicht nur sportlich sondern auch kulinarisch immer wieder lohnt: Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Weinverkostung sowie regionale Spezialitäten wie den weißen Trüffel und die „torta di nocciole“ – und das Alles in einer malerischen Landschaft mit Panoramablicken bis zu den Alpen. Aufgrund der sehr hohen Temperaturen an diesem Tag, ist unsere Wanderung im Gegensatz zu vergangenen Touren sehr gemütlich, ja fast unspektakulär ausgefallen: Durch die Weinberge sind wir von Barolo nach Novello gewandert, eine einfache aber aussichtsreiche Wanderung. Um die barocke Kirche gruppieren sich eng ein paar Häuser zu einem verschlafenen, kleinen Dorf – viel ist hier nicht los, aber bei Aperitif mit Blick auf Weinberge soweit das Auge reicht, kann man auch einfach mal seinen Gedanken nachhängen.
Es war ein rundum gelungener Urlaub. Mit wunderbaren Eindrücken im Herzen und vielen Genussmitteln im Magen sind wir zurück nach Berlin gekehrt. Zusammengefasst ist Norditalien ein Paradies für Viele: Der Comer See bietet alles, was das Aktiv-Urlauber-Herz begehrt. Sonniges Wetter, Meer und malerische Orte in Ligurien machen den Badeurlauber glücklich und zufrieden. Kulinarische Höhepunkte im Piemont bestechen die Genießer unter uns.