Reisebericht Piemont – April 2014

Stauden pflanzen im Südpiemont

Frühlingserwachen im Piemont, der Buchungskalender ohne Lücken bis November und die nächsten Gäste stehen schon in den Startlöchern, da heißt es anpacken um Haus und Garten fit für die Saison zu machen. Also treffen sich Jan, Andre und Carlo in München um via Turin zum Frühjahrsputz im Südpiemont anzutreten. Der Reise vorausgegangen sind selbstverständlich wie immer monatelange Planungen und zahllose Baumarktbesuche. Neu sind die Treffen mit den Gartenexperten der Gärtnerei Pöppel gewesen, deren Resultat ein detaillierter Staudenpflanzplan für das Gelände mit bestmöglicher Blühzeitausschöpfung gewesen ist. Es gibt halt immer etwas Neues! Mit gut hundert, sorgfältig verpackten Pflänzchen im Sperrgepäck, umfangreicher Gartenbewässerungsausrüstung und einem Bräter zur weiteren Komplettierung der Küchenausstattung machten wir uns also auf den Weg nach Castellino Tanaro. Der Flug nach Turin erlaubte uns eine angenehm frühe Anreise und oben an der Straße begrüßte uns schon Claudio, der Landwirt-Nachbar, der immer bestens gelaunt ist solange es seinen Kühen nur gut geht. Alles ist bestens und der Rasen sei grün, freut sich Claudio. Damit meinte er wohl seinen eigenen, denn am Haus angekommen mussten wir feststellen, dass englischer Rasen in der Tat eine Herkunftsbezeichnung und auf der Apenninen-Halbinsel eher schwierig zu reproduzieren ist. Nun ja, gut Ding… Nachdem wir das Haus begrüßt und den Kühlschrank gefüllt hatten machten wir uns an die Gartenarbeit, die Stauden hatten schließlich auch eine lange Reise hinter sich und waren, wie wir, durstig. Gegen Abend hatten wir einen Großteil der Frühblüher schon in die Erde gebracht und belohnten uns für das Tageswerk mit Pizza im 33 Giri, die nächstgelegene Pizzeria in Lesegno. Hier gibt es zwar keine piemonteser Hochkulinarik aber dennoch gutes Essen für schmales Geld und sehr netten Service.

Den gesamten folgenden Tag verbrachten wir bei herrlichem Frühlingswetter im Garten, pflanzten Stauden, legten ein Bewässerungssystem und unterzogen den Pool einer gründlichen pre-saisonalen Reinigung. Die für uns Bürohengste doch eher ungewohnte Betätigung an der frischen Luft machte ordentlich Appetit, den wir abends beim Salvetti in Paroldo stillten. Begleitet von erstklassig gealterten Nebbioli der Häuser Prunotto und Cogno waren wir jetzt auch kulinarisch im Piemont angekommen.

Morgentliche Weinproben in La Morra und Barolo

Montagmorgen um acht Uhr im Südpiemont: Aus den Federn, Wasser ins Gesicht und auf zur Weinprobe nach La Morra! Die Brüder Negretti hatten zu einer für uns recht ungewöhnlichen Tageszeit zur Verkostung diverser Jahrgänge und einer Führung durch ihre Kellerei geladen. Durchweg beeindruckt von der Professionalität der Betreiber, der peniblen Sauberkeit der Produktionsanlagen, der Schönheit der Holzfässer und davon wie gut Barolo schon kurz nach dem Zähneputzen schmecken kann, luden wir einige Kisten in unseren Mietkombi und verabredeten ein baldiges Wiedersehen in La Morra. Dann vielleicht aber doch eher nach dem Mittagessen. Dem Vergnügen folgte die Arbeit und so waren wir den Rest des Tages mit Gartenarbeit beschäftig, bevor wir es uns mit Mario Puzos Der Pate Teil I auf dem Sofa gemütlich machten.

Und weil es so schön war und es im Piemont bekanntermaßen eine ganze Reihe recht fähiger Winzer gibt, standen am nächsten morgen ab zehn schon die nächsten Meetings im Weinkeller auf dem Programm. Die geschäftliche Kühle im Hause Pio Cesare vermochte eine überaus herzliche Chiara Boschis im Hof von E. Pira e Figli in Barolo binnen Minuten vergessen zu machen. Mit bestechender Energie und Leidenschaft erzählte sie uns von der Geschichte des Hauses, dem Leben und Arbeiten in den Weinbergen und selbstverständlich von ihren Weinen. Sicherlich wären wir gerne noch viel länger geblieben, eine derart charismatische Frau die zudem noch über einen privaten Weinvorrat von mehreren tausend Flaschen Barolo verfügt, trifft man schließlich nicht jeden Tag. Dennoch hieß es bald Abschied nehmen, Chiara musste zum Friseur. Wir fuhren selbstverständlich nicht nach Castellino zurück ohne vorher unseren Kombi bis unters Dach mit Barbera und Nebbiolo beladen zu haben. Mit den zwei kleinen Palmen die wir unterwegs noch kauften dürften wir das Fahrwerk dann endgültig überlastet haben. Abends: Rotwein, Sofa, der Pate Teil II.

Bambus aus Ligurien

Am Mittwoch ist Carlo schon früh zu einer konspirativen Bambusübergabe im Hafen von Genua aufgebrochen. Andre und Jan sind derweil weiter mit der Aufhübschung der Außenanlagen beschäftigt. Das Terrassenholz hat eine Pflegebehandlung bekommen und der Rasen wurde gemäht, der plötzlich gar nicht mal so übel aussah!

Nachdem am Donnerstag alle Bambuspflanzen, wohlgedüngt mit Kuhmist aus dem Hause Claudio, in der Erde standen und eine Palette Rotwein Marke Boschis auf den Abtransport Richtung Norden wartete, führte Andre das einleitende Vorgespräch zum Projekt Casa die zweite Hälfte. Die Zukunft wird spannend und es wird weiterhin viel zu tun geben! Ausklingen ließen wir den Tag in Briaglia im Marsupino, quasi unserer Stammtrattoria. Ravioli al Plin, Semifreddo al Torrone mit einer Marsala Zabaione nach Rezept der Chefin und ein Nebbiolo von Elio Altare ließen uns in der beruhigenden Gewissheit zurück, es mit diesem Flecken Erde kaum besser getroffen haben zu können.

Autor: Carlo Bode