Reisebericht Piemont April 2017

Piemont April 2017 – Gartenarbeit und Kulinarisches mit den Jungs

Saisonstart 2017! Nach einem langen Winter, den wir wieder für einige größere Maßnahmen am Haus genutzt haben, freuten wir uns sehr das Haus aus dem Winterschlaf zu holen und die neue Saison am Casa al Tanaro einzuläuten. Mit einer umfangreichen Aufgabenliste und zwei Dutzend Pflanzen im Gepäck reisten wir in der ersten Aprilwoche zu dritt an. Ganz bewusst hatten wir unsere Tour einige Wochen später als im Vorjahr geplant; der reichliche Schneefall im März des vergangenen Jahres ist bei der Gartenarbeit dann doch eher hinderlich gewesen. Der Zeitraum erwies sich als optimal – strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, 20 Grad; so macht das Arbeiten Spaß!
Während sich Mario quasi direkt nach der Ankunft hinter den Rasenmäher klemmte und Andre als erstes den Pool in Betriebsbereitschaft versetzte, brachte ich die neuen Pflanzen in die Erde. Mit der Zielsetzung in einem möglichst langen Zeitraum einen blühenden Garten zu haben, hatten wir Lagerströmias, Weigelien, eine Ramblerrose und Clematis für ein neues Zuhause in piemonteser Erde ausgesucht. Zudem haben wir eine Wysteria umgesiedelt und den heftigen Myzomaustrieb unserer Bambusse für eine Vermehrung genutzt. Der erste Schritt zu einem zweiten Garten auf der Nordseite des Hauses war damit getan. Auf der gut 800 m² großen Fläche, welche einen tollen Blick auf den Tanaro und die alte Eisenbahnbrücke bietet, wird nach und nach ein zweiter Garten für unsere Feriengäste entstehen.

Auch im Winter ist am Casa einiges passiert: Während der Hausteil 1 seine ursprüngliche Natursteinfassade behielt, hat der Hausteil 2 einen Farbverputz in einem für die Region typischen Ocker-Ton erhalten. Für uns ist dies ein bedeutender Schritt gewesen – denn erstmalig sieht das Haus von außen nun wirklich komplett aus.
Trotz der bereits sehr angenehmen Temperaturen konnten wir es uns selbstverständlich nicht nehmen lassen den neuen Kamin im Wohnzimmer mal ordentlich einzuheizen. Die kleine Kiste macht ganz schön Dampf und Lust auf winterliche Kaminabende im Südpiemont.

Die Weine des Piemont – ein Besuch bei Marziano Abbona

Ein Highlight der Woche war sicherlich die Begegnung mit Marziano Abbona in unserer oft besuchten „Baumarkt-Kneipe“ im Mondovicino Einkaufszentrum. Der charismatische Winzer mit dem Zigarillo im Mundwinkel lud uns direkt zu einer kleinen Sofortverkostung an der Theke und einem Besuch auf sein Weingut in Dogliani ein – einer Einladung, welcher wir natürlich einige Tage später Folge leisteten. Der gerade neu errichtete, sieben Meter unter der Erde liegende Weinkeller mit Kreuzgewölbe und der aus uralten Steinen bestehende Verkostungsraum beeindruckten genauso wie der Barolo und Barbaresco von Signore Abbona. Diesen Termin nutzten wir dann auch für die Sicherung der Rotweinversorgung des diesjährigen Weihnachtsfestes. Vielen Dank für die charmante Betreuung, Alberto!

Feinschmecker im Piemont – zwischen Gourmet-Tempel und Trash-Bar

Nach getaner Gartenarbeit haben wir auch kulinarisch in dieser Woche mal wieder ordentlich in die Tasten gehauen. Neben zwei grandiosen Abenden im Le Piemontesine und Marsupino haben wir auch in einfacheren Lokalitäten sehr gut gegessen.
Eigentlich eine alte Bekannte, in den vergangenen Jahren aber aufgrund des eher schlichteren Auftritts durch unser Raster gefallen: die Pizzeria Rotondo von Valther Cian an der SS28 neben der Agip Tankstelle kurz vor dem Ortseigang von Ceva. Herrlich rustikal, von den gemütlichen Sitzmöbeln auf der Veranda blickt man auf die Zapfsäulen, lauscht dem vorbeifahrenden Verkehr und trinkt am besten erstmal einen Negroni. Den sich dann bald einstellenden Appetit kann man dann wahlweise mit haufenweise Stuzzichini von der Aperitivo-Theke, sehr anständiger Pasta und auch Fischgerichten aus Valther’s Küche stillen. Am Wochenende ist das Rotondo meist rappelvoll, dann ist der Pizzaiolo im Haus und serviert frisch aus dem Steinofen.

Ebenfalls reichlich rustikal und gerade deshalb so besonders charmant geht es im Punto Tappa Pit Stop zu. Claudio und Elisabetta haben dieses Kleinod der Landgastronomie im Gebäude einer ehemaligen Trattoria in Castellino Tanaro, direkt gegenüber des Municipio, neu eröffnet. In erster Linie ist das Pit Stop ein erweitertes Wohnzimmer der Dorfbewohner, aber im Gastraum im hinteren Teil des Gebäudes serviert Claudio mit liebenswerter Unprätentiösität typische Produkte der Saison oder was dem Jäger vor die Flinte lief.

Die neue Nummer 1 auf unserer Trash-Bar Liste fanden wir in Lesegno. In der Trattoria Le Magne findet der Gast eine bizarre Melange aus piemonteser Dorfkneipe und Pop Art Pinte, oder welchem Genre man neon-grüne und pinke Wände mit Glitzerbeimischungen auch zuordnen möchte. Nachdem der erste Optik-Schock ob des obskuren Interieurs verdaut ist, kann man sich sogleich den liebevoll angerichteten Stuzzichini widmen – serviert auf einer Mini-Europalette inkl. Rosé Prosecco, den herzlichen Service genießen und das bunte Treiben im Gastraum beobachten.

Turin – auf den Spuren der Aperitivo-Kultur

Aufgrund meines sehr frühen Rückfluges nach Berlin am Freitagmorgen brachen wir bereits Donnerstagmittag nach Turin auf, um der Hauptstadt des Piemonts und der Aperitivo-Kultur unserer Aufwartung zu machen. So spazierten wir nachmittags etwas durch die von zahlreichen Schulklassen bevölkerte Innenstadt und legten hier und da kleine Erfrischungspausen ein, zum Beispiel im altehrwürdigen Caffè Mulassano und kauften Schokolade bei Baratti e Milano für die Lieben daheim.
Für uns neu, aber längst kein Geheimtipp mehr ist, dass es in Turin eine ausgezeichnete Adresse für deutsche Delikatessen gibt: Im La Deutsche Vita servieren Claudia Franzen und Sabine Schumacher Hausmannskost auf hohem Niveau und interessante Kreationen wie eingelegte Bratwurst – dazu ein Frischgezapftes – Prost, wir kommen wieder!