Reisebericht Piemont April 2018

Rosato, balconi e tanto divertimento

Ende April machten wir, Joachim (it. Giovanni), Andre und Carlo, uns auf dem Weg ins Südpiemont um Haus und Garten aus dem Winterschlaf zu holen. Neben zahlreichen gesellschaftlichen Terminen hatten wir auch jede Menge handfeste To Dos auf unserer Lista da Fare. Wie jedes Jahr standen selbstverständlich eine gründliche Poolreinigung und viel Gartenarbeit auf dem Programm. Zudem hatten wir uns vorgenommen, die aus dem ersten Obergeschoss ragenden Deckenbalken mit Balkonen zu versehen und die Holzterrasse sah auch mal wieder so aus, als wenn ein Schluck Öl nicht schaden könnte. Die Woche sollte also nicht langweilig werden.

Da wir aus Bremen und Berlin anreisten, trafen wir uns in München am Umstiegs-Gate, oder besser gesagt in der gegenüberliegenden Bar, dem Spazio Italia – perfekte Gelegenheit ein erstes Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen!

Am Haus angekommen erwartete uns dann schon ein bestens gelaunter Gerd, unser multitalentierter Hauswart, mit einer wohltemperierten Flasche Rosato. Also war statt Arbeitshose erstmal „Ankommen“ angesagt. Wir genossen diesen sanften Einstieg, das milde Wetter, mit den Jungs unter dem Sonnenschirm zusammen zu sitzen. Und erstaunlicherweise sollte diese Flasche hervorragender, feinherber Rosé ausschlaggebend für das bevorzugte Getränk der Woche werden und auch im Nachhinein kommt jetzt öfter bei uns mal ein Rosato auf dem Tisch.
Als die nächsten Termine für die Woche gemacht, der Restauranttisch für den Abend reserviert und die Flasche gelehrt war, juckte es uns aber in den Fingern; wir wollten loslegen!

Wunderschöne italienische Eichenbohlen und norddeutsche Edelstahlgitter für die Balkone lagen schon bereit, und nachdem das Holz geölt und die Gitter verschraubt waren konnten wir mit der Montage beginnen. Zugegeben: Wir machten hier den zweiten Schritt vor dem ersten, da die Balkone zu unserer dritten Wohneinheit in nördlichen Obergeschoss gehören, zu dem es aktuell noch garkeinen Aufstieg gibt. Sei’s drum; die Balkone sehen klasse aus und der fantastische Ausblick, den sie auf beiden Seiten des Hauses bieten, setzt uns eventuell noch etwas mehr unter Zugzwang die Außentreppe baldigst zu ordern.

Ausgesprochenes Glück haben wir mit dem Wetter gehabt. Da wir in den vergangenen Jahren tendenziell etwas früher im Jahr gereist sind, ist es des Öfteren zu unerfreulichen Überraschungen in Form von Schnee während der Gartenarbeit gekommen. Solch Unbill wollten wir uns dieses Jahr ersparen und der gewählte Reisezeitraum in der letzten Aprilwoche erwies sich als optimal. Das Frühjahr hatte bereits ergiebige Regengüsse geliefert und so waren einige der Trockenheitsschäden des letzten Jahres schon nicht mehr so stark sichtbar.
Während der nächsten Tage fanden zwei neue Palmen, ein Oleander und ein weiteres Kirschbäumchen eine neue Heimat in piemonteser Erde. So konnten wir den Garten wieder ein Stückchen weiter aufwerten und erfreulicher Weise erhält endlich auch die neue Fläche auf der Grundstücksnordseite immer mehr einen gartenähnlichen Charakter.
Wunderbar gesellige Abende verbrachten wir mit Nachbar Bernard und Gerd in der Trattoria al Castello in Ciglie und in der Pizzeria Rotondo in Ceva. Pizze, Carne, typisch piemontesische Spezialitäten, Antipasti – wir haben es uns richtig gut gehen lassen. So hatte ich das Vergnügen zum ersten Mal eine Giardiniera, das im Südpiemont hochgeschätzte, süß sauer eingelegte Gemüse serviert zu bekommen. Einen ohne Übertreibung grandiosen Polpo aßen wir im Mondofood, einem neuen, ziemlich stylischen Restaurant in Mondovì Breo, dessen belebte Terrasse sich hervorragend für die Einnahme einiger Aperitivi eignet.
Und zu unser aller Freude stellten wir wieder einmal fest, dass es verdammt schwierig ist eine Region zu finden in der sich besser speisen und trinken lässt als im Piemont.

Einen besonders schönen Abend verbrachten wir zuletzt mit unseren neuen Gästen Fiddi und Claudia. Nach einer ausgiebigen Führung durchs Haus und über das Gelände und einem Aperitivo auf der Dachterrasse bekamen die beiden im Marsupino eine Einführung in das Bella Vita Piemontese aus erster Hand – einen Besuch im überaus beeindruckenden Weinkeller des Hauses inbegriffen.
Insgesamt war es ein arbeitsreicher aber sehr spaßiger und inspirierender Männertrip, der uns mit vielen neuen Ideen und einer ganz neuen Vorliebe für Rosato in sehr guter Erinnerung bleiben wird.