Reisebericht Piemont – Oktober 2012

Weiße Trüffel, Barolo und Castelmagno – piemonteser Überfluss

Da der Oktober ja bekanntlich die schönste Reisezeit für das Piemont ist, hat sich das Team vom Casa al Tanaro natürlich auch in diesem Herbst auf den Weg ins Südpiemont gemacht. Neben ein paar kleineren kosmetischen Maßnahmen und der Verbringung des Übergangspools ins Winterlager, standen jedoch vor allem kulturelle und kulinarische Erkundungen auf dem Programm. Erstes Etappenziel war der Besuch der Heimat einer, ungerechtfertigter Weise wenig beachteten jedoch außerordentlich geschmackvollen, piemonteser Spezialität; des Castelmagno – il re dei formaggi. Dieser seltene Blauschimmelkäse ist aufgrund der kleinen Produktionsmengen quasi nur im Piemont erhältlich aber so köstlich, das wir eine Tour zu seiner Huldigung ins Valle Grana für angemessen hielten. Von Cuneo aus erreicht man das malerische Seitental der Seealpen in ca. 20 Minuten. Am hinteren Ende befindet sich dann der namensgebende Weiler Castelmagno, aber schon auf der Straße die ins Tal führt, bleibt kein Zweifel worum sich hier alles dreht. In zahlreichen Hofläden lassen sich lokale Produkte wie Pasta, Haselnusscreme und natürlich und vor allem Käse zu recht günstigen Preisen erstehen. Castelmagno selbst ist ein winziges verschlafenes Dörfchen. Hier gibt es eine Post, eine Kirche, eine Trattoria und, natürlich, einen Käseladen. Was den Ort aber wirklich sehenswert macht ist neben den liebevoll gepflegten urigen Häuschen mit Schieferdächern vor allem der Blick durchs Tal. Jetzt im Herbst, mit dem aufsteigenden Dunst in den Baumwipfeln, ein traumhaft schöner Ausblick! Auf der Website des Tals (www.vallegrana.it) finden sich Wanderrouten die vor Ort mit kleinen Wegweisern ausgezeichnet sind. Definitiv ein Vorhaben für das kommende Jahr!

Von Castelmagno ging es pünktlich zum Aperitivo zurück nach Cuneo. Bevor der Abend mit einem Negroni eingeläutet wurde haben wir uns noch mit reichlich Amaretti Cuneesi eingedeckt. Auch diese kleinen, in unzähligen Geschmacksrichtungen (meine Empfehlung ist Cocos. Mindestens zwei davon!) erhältlichen Kuchen, sind eine lokale Spezialität die überall rund um die große Piazza in den Patisserien angeboten werden. Gekrönt wurde dieser kulinarische Höhenflug dann noch von dem obligatorischen Panna Cotta in der Osteria della Chiocciola.

Um das, durch die gesteigerte Kalorienaufnahmen vom Vortag, belastete Gewissen zu beruhigen ging es am Folgetag früh Richtung Barolo um die Heimat unseres Lieblingsgetränks zu Fuß zu erkunden. Mit reichlich Brot, Vino und Käse im Rucksack sind wir immer entlang der Rebstöcke von Barolo nach Monforte d’Alba gelaufen. Ungefähr auf der Hälfte der Strecke haben wir die Wegweiser des Sentieri del Barolo gefunden, welche eine ganz gute Orientierungshilfe sind und nützlicher Weise statt Entfernungsangaben die ungefähre Dauer des Fußmarsches bis zum Ziel anzeigen. Monforte ist, obwohl klein, recht touristisch und nicht zwingend sehenswert. Der Weg dorthin und die weiteren drei Stunden bis nach Castellione Faletto sind jedoch traumhaft schön. Da wir just zur Zeit der Weinlese unterwegs waren, war streckenweise in den Rebstöcken richtig was los. Nach einem kurzen Zwischenstop mit Weinprobe in der Cantina von Castellione sind wir das letzte Stück der Wanderung zurück nach Barolo angegangen. Nach weiteren 40 Minuten und insgesamt 7,5 Stunden waren wir froh unseren Ausgangspunkt wieder erreicht zu haben und machten uns auf dem Weg zurück nach Castellino. Natürlich nicht ohne vorher im wunderschönen Weinladen Il Bacco noch die ein oder andere Köstlichkeit probiert und gekauft zu haben. Insgesamt sind Wanderungen in dieser Gegend sehr zu empfehlen, die Natur und der immer gegebene Ausblick über die Langhe ist einfach umwerfend. Obwohl wir über eine Wanderkarte verfügten, hält man sich besser an die ausgeschilderten Wege. Diesen lässt sich einfacher folgen als der relativ undetaillierten Karte. Für das nächste Jahr steht schon eine Wanderung über La Morra fest im Programm.

Der letzte volle Tag der Reise stand dann wieder ganz im Zeichen des Genusses. Nach einer Stippvisite in Vicoforte, während der wir natürlich die größte elliptische Kuppel der Welt in der Santuario di Vicoforte bestaunten, ging es weiter nach Alba, dem Zentrum der Trüffelindustrie. Durch die gerade stattfindende Internationale Messe des weißen Alba Trüffels herrschte Hochbetrieb in den schmucken Gassen der Stadt, die sich für den größten Event des Jahres ordentlich rausgeputzt hat. Alles stand ganz im Zeichen der lokalen Spezialitäten, die Schaufenster sämtlicher Geschäfte waren mit Weinflaschen lokaler Winzer dekoriert und an zahlreichen Ständen verströmten weiße und schwarze Knollen den unverwechselbaren Duft der Alba Trüffel. Die Messe an sich, die im Hof des Naturkundemuseums untergebracht ist, ist in der Tat ein wahres Feinschmeckerparadies. An ca. 50 Ständen kann verkostet und gekauft werden was das Südpiemont hergibt. Käse, natürlich auch Castelmagno. Wurst, Schokolade, Wein, Grappa und selbstverständlich Trüffel in unglaublichen Quantitäten und Ausmaßen. Das auch wir nicht umhin gekommen ein paar, wenn auch recht kleine, weiße Trüffelknollen mit nach Hause zu nehmen versteht sich von selbst. Der Duft ist einfach unwiderstehlich.

Wie immer krönte eine kulinarische Materialschlacht im Form eines 12 Gänge Menüs in der Trattoria da Lele in Murrazano diesen erlebnisreichen Ausflug.

Wir freuen uns jetzt schon auf dem Herbst 2013 im Piemont.